Kapitel 6
Die Brücke zwischen Wissenschaft und Weisheit
(1) Die Entwicklung der Wissenschaft  

 

Die folgenden Betrachtungen beziehen sich auf die Zeit ab 500 v. Chr., unmittelbar vor dem Tiefpunkt des kleinen "Kali Yuga". Es ist inzwischen unstrittig, daß frühere Hochkulturen, Fähigkeiten hatten, die unseren heutigen Stand in wesentlichen Bereichen weit übertrafen.

Die Ursachen für das "Auf und Ab" der evolutionären Entwicklung wurden in Kapitel 5, Abschnitt 6 erläutert. Bild 57 zeigt die Entwicklung der Wissenschaften ab 500 v. Chr. in den Phasen A bis D schematisch.

Bild 57 Die Entwicklung menschlichen Erkenntnisdranges

Phase A Einheit der Wissenschaft
Die Wissenschaft umfaßte ursprünglich das systematische Ganze menschlicher Erkenntnis. Aristoteles lehrte Philosophie (griech. "Liebe zur Weisheit, zur Wissenschaft") als Metaphysik (Seins-Wissenschaft und Prinzipienlehre), sowie theoretische (Mathematik, Physik, Psychologie), praktische (Ethik, Politik, Ökonomik) und poietische Philosophie (Technik, Ästhetik, Rhetorik, Pädagogik).

Phase B Divergenz -Zersplitterung in Einzelwissenschaften
Im Mittelalter entstand eine Aufgliederung in Metaphysik, Physik und Ethik. Im 19. Jahrhundert kam es zur weiteren Verselbständigung der Einzelwissenschaften. Durch die Ausbildung der Naturwissenschaften begann die Auflösung des universalen Wissenschaftsbegriffs.

Phase C Entwicklung von hervorragendem Detailwissen in Einzeldisziplinen

Seit Descartes ist der Wissenschaftsbegriff eingeengt auf das nach wissenschaftlichen Methoden zugängliche, mathematisch Berechenbare. Mathematisch-naturwissenschaftliche Methoden wurden Vorbild aller Wissenschaftlichkeit, so Methodik, Vorurteilsfreiheit, Wertfreiheit, Verifizierbarkeit, Möglichkeit der Kritik sowie Intersubjektivität. Von Descartes stammt die Aussage, Lebewesen bestünden aus einem mechanischen System von Hebeln und Flaschenzügen und der Ton, der durch das Anschlagen einer Klaviersaite entsteht, sei prinzipiell das gleiche wie das Jaulen eines Hundes, der getreten wurde.

Ein einheitlichliches schlüssiges System allen Wissens gibt es trotz vieler Ansätze noch nicht wieder (Bild 57). Die fortschreitende Spezialisierung in Wissenschaft und Technik ermöglichte einerseits hervorragendes Detailwissen und entsprechende Anwendungen, andererseits ging der Blick für Zusammenhänge vielfach verloren.

Die Naturwissenschaften haben nach moderner Definition folgende Aufgaben:

l durch zweckfreie Forschung Naturgesetze zu suchen (exakte: Physik, Chemie, beschreibende: Biologie, Geographie, Geologie u.a.).
l mittels angewandter Forschung durch Naturerkenntnis zu Naturbeherrschung gelangen (z. B. in Technik und Medizin).

Nach Werner Heisenberg ist es Aufgabe der Wissenschaften, die Erscheinungen zu beschreiben, nicht aber deren Ursachen zu erklären; das läge zu tief. So gelang es bisher nicht, grundlegende Phänomene wie den Elektromagnetismus, die Schwerkraft (Gravitation) sowie die starken und schwachen Kernkräfte hinreichend zu erklären, obschon mit Steven Hawkins heute die meisten Physiker auf eine einheitliche Theorie hoffen, welche diese vier Kräfte als verschiedene Aspekte einer einzigen erklärt.

„Die Wissenschaft beschreibt, das was sie sehen und messen sowie aufgrund der vorgegebenen Gesetze berechnen kann. Das entspricht allen Vorgängen bis hin zum Aufbau der Bestandteile eines Atomkernteilchens. Warum sich das so verhält bleibt ihr solange verborgen, bis sie es apparatemäßig erfassen kann. Dem sind aber Grenzen gesetzt, unter anderem durch störende Einflüsse der Meßinstrumente oder der Beleuchtung in derartigen Größenordnungen.“

Die Probleme und Grenzen der konservativen Wissenschaft sind durch das dogmatische Festhalten an Vorstellungen und Theorien des vergangenen Jahrhunderts begründet. Jede Weiterentwicklung wird verworfen, wenn diese nicht das veraltete Konzept paßt.

Im 20. Jahrhundert wurden die Naturwissenschaften technikdominiert und in letzter Zeit werden zunehmend und im großen Maßstab Methoden entwickelt und angewendet, die zwar wirtschaftlichen Erfolg versprechen, jedoch nicht im Einklang mit der Evolution stehen (z.B. Genmanipulation, Projekt Harp). Der amerikanische Managementprofessor Richard Oliver schrieb im Zusammenhang mit der Genmanipulation: "Die neue Ära wird den Triumph der Wirtschaft über die Politik vollenden, der im Informationszeitalter begonnen hat". So werden wir quasi zunehmend von Wirtschaftlern und deren Helfern aus Wissenschaft und Technik beherrscht und einige Menschen dünken sich heute klüger als die Evolution, die uns hervorbrachte, und glauben diese verbessern zu können.

Phase D Konvergenz durch das Universal-Prinzip
Im Verlauf der Entwicklung menschlichen Wissens mußten alte Vorstellungen durch das Erkennen neuer Zusammenhänge oft korrigiert werden. Viele der Ausgangs dieses Jahrtausends gemachten Entdeckungen z.B. die sprunghaften Übergänge (Quantensprünge) oder die strahlungsfreien Umlaufbahnen der Elektronen ließen sich mit der klassischen Newtonschen Mechanik nicht erklären. Dies führte zur Entwicklung der Quantentheorie, später der Qantenmechanik und der bis heute nicht abgeschlossenen Quantenfeldtheorie.

Vieles spricht dafür, daß mit dem 1997 entdeckten "Universal-Prinzip" erstmalig ein gemeinsames Wirkprinzip (gemeinsame Gesetzmäßigkeiten) gefunden wurde, nach dem alle Vorgänge ablaufen, an denen Materie beteiligt ist. Dadurch können Vorgänge, die zur Zeit von den zahlreichen Disziplinen der Einzelwissenschaften unterschiedlich beschriebenen werden, vereinfacht und auf gemeinsame Grundlagen zurückgeführt werden. Auch die noch offenen großen Fragen der Physik nach dem Wesen der folgenden vier Kräfte können erstmals beantwortet werden:

1. Gravitationskraft
2. elektromagnetische Kraft
3. schwache Kernkraft (schwache Wechselwirkung)
4. starke Kernkraft (die den Atomkern zusammenhält)

Das Universal-Prinzip bildet keineswegs eine weitere Modifikation bestehender Modelle, sondern ist ein grundlegendes Naturgesetz, mit dessen Hilfe das Wesen der Erscheinungen tiefer als bisher erkannt und verstanden werden kann. Es birgt die Möglichkeit zur konstruktiven Weiterentwicklung und gleichzeitig zur Renaissance der Erkenntnisse früherer Wissenschaftler.

Im folgenden Abschnitt 2 werden die wichtigsten Bereiche der Physik unter Einbeziehung des Universal-Prinzips betrachtet mit dem Ziel, durch eine neue Sicht der Dinge und Erscheinungen aus der Sackgasse festgefahrener Dogmen heraus zu kommen.

Unserer Ansicht nach sollte die Wissenschaft ihre führende Rolle gegenüber Politik und Wirtschaft zurückgewinnen. Daß wird jedoch nur gelingen, wenn sie sich einem ganzheitlichen Denken öffnet und Philosophie sowie reale Religion wieder in ihre Reihen aufnimmt, damit aus der Gesamtheit des gegenwärtigen Wissens eine Weisheit auf höherem Niveau entwickelt und verbreitet werden kann. Nur auf diese Weise werden sowohl die Gesellschaft als auch jeder einzelne Mensch wieder eine Orientierung erhalten, die dem tatsächlichen Entwicklungsniveau der Menschen entspricht.

 

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